Samstag, 8. November 2008

CCCP

Das stand immer auf den Briefen. Lange her. Das waren Briefe mit einer seltsam geschwungenen lateinischen Schrift, wie ungewohnt, mit kleinen Blümchen auf dem Briefumschlag.

Wenn solche Briefe im Briefkasten lagen, wobei man sagen muss, das die Mutter ja eigentlich ziemlich wild auf Post war, gelle?, also 'diese' Briefe waren immer von ganz besonderer Bedeutung.

Sie kamen von Leuten, die Namen wie Wanda hatten und andere, an die ich mich nicht mehr erinnere.

Hier gibt es noch viel zu schreiben. 

Stalin. Im Kuhstall leben und den Winter mit der Tierwärme bekämpfen. Die Dort-Gebliebenen, die Nicht-in-den-Westen geflohenen, das war ihr Schicksal. In Kasachstan, in der Ukraine, in Moldawien vielleicht. Kein höherer Bildungsweg stand den Kindern dieser Familien offen, lange nach dem Krieg. Der Blick in den Goldenen Westen, bis dann endlich Deutschland seine Russlanddeutschen eingeholt hat. 

Haare, später (10 Jahre später, grins)

Sieht doch genauso aus, die Haartracht, schick eingelegt, mit Lockenwicklern, die in einem alten Plastik-Blumenkasten im Badezimmer lagen. Ganz frisch frisiert und schick, stolz mit dem gelben Zwerg im Arm, selbstgehäkelt und freut sich. Gut eingewickelt, das kleine Baby, obwohl es ja zumindest  Kurzärmel-Pullover-Wetter zu sein scheint. Freu.

Haare


Tja, unglücklich sieht die Gerti hier ja eigentlich nicht aus, eher schick aus dem Ei gepellt mit prima Röckchen-Kleidchen und der angesagten Frisur,

jahaaaaa, die Frisur. The frisur. Das bringt mich zum Thema Haare, Frisör.
Diese Frisur, sagte Mutti immer, passt zu ihrer Kopfform, da sie 'einen dicken Kopf' hätte. War eindeutig ihre Lieblingsfrisur seit immer und für immer, aber in wechselnden Farbtönen.

Bis dann im Altenheim die weissen Härchen länger wuchsen, wachsen durften. Aber da konnte sie schon nichts mehr dazu sagen.